Freitag, 5. November 2010

中台禪寺 Chung Tai Monastery - Zen-Buddhismus-Camp

17. Woche (18.10. bis 24.10.):

Diese Woche hatte ich wieder mal zwei Präsentationen, eine in Chinesisch und eine größere Präsentation in Marketing Management, war also unter der Woche dementsprechend beschäftigt.

Am Donnerstag nach der Präsentation gönnte ich mir zur Belohnung ein 100-NT-Mittagsmenü (2,50 €) beim McDonald's. Komisch, dass mir erst dieses Jahr klargeworden ist, wie billig Mäci hier eigentlich ist, zwar nicht im Vergleich zum lokalen Essen, aber im Vergleich zu Österreich.

Am Freitag hätte ich besser von Vornherein zuhause bleiben sollen. Zum Mittagessen hatte ich mir was mit Feng, X und Hailey ausgemacht. Doch zu Mittag fings dann ziemlich zu schütten an, daher rief mich, als ich grad das Haus verließ, Feng an, ob ich seine Regenjacke von zuhause mitnehmen könnte. Das tat ich dann, doch als ich gerade wieder auf den Lift wartete, rief mich X an, ob ich ihm seinen Schirm mitnehmen könnte. Das tat ich dann auch, doch als ich mich mit den beiden treffen wollte, war keiner von den beiden dort, wo sie sein sollten. Das Blöde daran, genau zu der Zeit funktionierten scheinbar in ganz Taiwan fast keine Handys, denn wie sich herausstellte, war wieder mal Taifun-Tag. Hailey, mit der ich mich wieder woanders treffen sollte, erreichte ich daher auch nicht. Nur meine Lehrerin erreichte mich am Handy, um mir mitzuteilen, dass wegen dem Taifun der Nachmittagsunterricht entfiel. Schließlich schafften wir es doch noch essen zu gehen, doch am Nachmittag gings weiter. Erst wollte ich zur Post, das Geburtstagsgeschenk für Papa wegzuschicken, doch weder das Uni-Postamt, noch das Hauptpostamt von Tainan hatte offen - Mission gescheitert. Und am Weg sollte ich eigentlich was zu trinken für Feng kaufen, doch dann fiel mir auf, dass ich gar kein Geld dabei hatte, und dass ich sogar das Geburtstagsgeschenk zuhause vergessen hatte. Kurz gesagt, bin ich den ganzen Tag nur sinnlos rumgefahren und -gerannt. Doch dafür sollte das Wochenende besser werden als erwartet ...


Samstag:

Frühmorgens um 6:30 war Treffpunkt für unseren 2-Tage-Trip nach Puli zur Chungtai Monastery, einem Zen-Buddhisten-Kloster. Eigentlich habe ich das Ganze nur Hailey zu verdanken, denn sie hatte mich eingeladen, bei dem Ausflug mitzufahren, der von einer ihrer Uni-Kurse ausging. Und da dieser Ausflug gratis war, hatte ich nicht erwartet, dass er so gut durchorganisiert sein würde. Zunächst gabs ein "herzhaftes" Frühstück im Bus:

Erster Stopp war dann bei einer Kampfsportschule, die vermutlich zum Kloster gehört. Und wie ihr seht, für den ersten Tag haben wir alle einheitliche T-Shirts bekommen:
li: 社長 Shezhang - Leiter des Buddhismus-Clubs; re: 師傅 Shifu - Master und Nonne

Kungfu-Schülerin:
Kungfu-Meister:
Entspannungsübungen:

Um das ganze Camp ein bisschen unterhaltsamer zu gestalten, gab es einige Spiele, wo wir zeigen mussten, was wir eben gelernt hatten. Jedes Team bekam eine blütenlose Lotusblume (siehe weiter oben), und wenn man bei einem Spiel unter den besten war, gab es eine goldene Blüte, für den zweiten Platz eine silberne, und für den dritten Platz eine rosa Blüte.
Das erste Spiel bestand darin, eine Abfolge von Kongfu-Moves richtig nachzumachen:
das war zwar nicht unser Team, aber ich finde deren Leistung war echt super:


Bevor unserer Abfahrt, gab es noch Vorführungen von den verschiedenen Kampfsportarten, die in der Schule unterrichtet werden. Mir hat 太極 Taichi am besten gefallen:


Nach ein paar Kilometern Busfahrt erreichten wir dann das Kloster, und der erste Eindruck war schon überwältigend:

Zunächst gabs Mittagessen im Meditations-Saal:
便當 Biandang - Lunchbox

Mit vollem Magen machten wir uns dann auf den Weg zu einem Ausstellungssaal:
Anya aus Russland


Hier wars Zeit für das nächste Spiel (das ich allerdings nicht ganz verstanden habe): wir mussten die Pose von so vielen Statuen wie möglich imitieren, den Namen nennen und einen dazugehörigen Spruch (der unter der Statue stand) aufsagen:

Nach dem Spiel bekamen wir noch einen Vortrag von einem Mönch und danach gings weiter zum klosterinternen Museum:
Kreatur aus der chinesischen Mythologie:
辟邪 Bixie - Mischung aus 3, 4 Tieren (Drache, Löwe, Vogel ?)
Doch dann wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass fotografieren hier verboten ist ...

Danach kamen wir zu einem anderen Teil des Klosters ...

... wo das nächste Spiel auf uns wartete (das wir drei Nicht-Taiwanesen - Hailey, Anya und ich - wieder mal nicht ganz verstanden):
Irgendwie gings drum, die vier vierköpfigen Wächter nachzustellen und einen Spruch auswendig aufzusagen:


Und weiter ging die Tour - überall prächtige, beeindruckende Statuen:

Dort spielten wir das nächste Spiel, was allerdings mal einfach zu verstehen war: die ganze Gruppe musste mit verbundenen Augen in einer Reihe einen vorgegebenen Weg gehen.

Als nächstes kamen wir ins Herzstück des Klosters, einer 8-stöckigen hölzernen Pagode. Dort war es unsere Aufgabe einen 佛經 Fojing - einen buddhistischen Text (so wie Psalmen im Christentum?!) auswendig zu lernen und dann innerhalb von 5 min niederzuschreiben.

Dann gings wieder nach draußen, zur nächsten Statue.nächtlicher Ausblick auf das Kloster und die Umgebung:
Das Spiel dort bestand darin, einen chinesischen Charakter aus Menschen nachzustellen.

Weiter ging die Tour, weiter in die höheren Etagen. Von diesem Stockwerk aus konnte man schön auf die Pagode sehen. Und falls ihr euch die Wände anseht, die bestehen vollständig aus unzähligen kleinen Nischen mit Buddha-Statuetten darin.
Ein Relief aus unterschiedlichen halb-/edlen Steinen:

Die klosterinterne Bibliothek:

Und zum Schluss erreichten wir einen Raum im höchsten Punkt des Klosters, im 37. Stock in 108 Metern Höhe:

Dort bekamen wir noch eine Vorlesung von unserer Nonne und dann gings nach draußen, in den "Vorgarten" des Klosters:

Im Park hatten wir dann noch ein paar activities bis kurz vor Mitternacht. Die Oktober-Geburtstagskinder (wie zB Hailey) bekamen jedes einen Kuchen, eine Teilnehmerin tanzte uns etwas vor und eine Austauschstudentin von der University of Beijing (Top-Uni in China) spielte uns etwas auf einer traditionellen chinesischen Flöte vor.


Zudem musste sich jede Gruppe einen gemeinsamen Tanz oder Kampfruf ausdenken und vorführen. Der witzigste Spruch einer Gruppe war wohl "We will we will help you". Dieses Team war mit Sicherheit das energischste, vor allem die Frontfrau:


Und schließlich gegen Mitternacht gings ab ins Bett - Bett ohne Matratze oder Bettwäsche etc wohlgemerkt, nur eine Holzplatte und mein Schlafsack. Bescheidenheit will geübt sein ...

Sonntag:

Am Sonntag um 7:00 hieß es schon wieder gewaschen und angezogen zum Frühstück im Park antreten. Wie ihr seht, haben wir sogar wieder neue T-Shirts bekommen, die durften wir diesmal auch behalten. Warum auf dem Rücken 禪風 Chan Feng steht kann ich leider nicht genau erklären, vermutlich das Motto unseres Ausflugs: 禪 Chan ist eine Art von Meditation im Buddhismus (Zen) und 風 Feng bedeutet eigentlich Wind, wird aber auch manchmal in Verbindung mit Ausflügen gebraucht:

Im Park entdeckten wir dann einen kleinen Schrein mit einer große Glocke davor.

Und wenn man so eine große Glocke sieht, darf man sich die Gelegenheit doch nicht entgehen lassen, die auch ordentlich zu läuten. Doch den Vorschriften entsprechend mussten wir zunächst die Glocke begrüßen und den Spruch auf dem Schild aufsagen.

Dann mussten wir uns wieder unsere Gruppen einreihen. Unsere Gruppe hieß 和睦 Hemu (Harmonie), die mit dem gelben Schild; die neben uns mit dem grünen Schild hieß 慈悲 Cibei (Barmherzigkeit):

Zurück im Tempel bekamen wir dann eine Einweisung ins richtige Meditieren mit anschließenden (geschätzten) 30 Minuten Meditation. Die Schuhe mussten wir zB genauso wie im Foto hinter unser Kissen platzieren, im Idealfall Lotussitz einnehmen, unsere Beine mit dem gelben Tuch bedecken und unsere Hände auf bestimmte Weise in den Schoß legen:

Da 30 min in dieser Position verharren für Ungeübte das Absterben der Füße bedeuten kann - leicht übertrieben, aber nicht weit entfernt - durften wir dann ein paar Runden im Saal drehen, natürlich mit System!

Blick auf 埔里 Puli:

Seiteneingang des Klosters:

Und nach einem kurzen Mittagessen machten wir per Bus auf den Weg zum nächsten Ziel. Apropos Essen: Hungern mussten wir beim besten Willen nicht, wir wurden sprichwörtlich gemästet (was man in einem Kloster nicht unbedingt erwarten würde). Aber immerhin war das Essen durchgehend vegetarisch: Gemüse, Tofu und Reis.

Das nächste Ziel war die Putai Senior High School (Link), die vermutlich ebenfalls zum Kloster bzw zu dieser Organisation gehörte: Chung Tai Zen - und mit Erstaunen hab ich festgestellt, dass die sogar ein Center in Linz (Link) haben.
Auf jeden Fall war das wohl die modernste und umwerfendste Schule, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe. Wenn man in das Gelände reinfährt, fühlt man sich schon wie in einer Stadt in der Zukunft. Man muss aber auch bescheidene 30.0000 NT (€ 7.250) pro Semester bezahlen, wenn man sein Kind diese Ausbildung gönnen will.

4 Sprachen werden unterrichtet: Englisch, Französisch, Spanisch und Japanisch. Für jede Sprache gibt es eigene Klassenräume, die dementsprechend gestaltet sind. Ratet mal, wofür diese Klasse ist:

Dann gibt wieder ein eigenes Gebäude für Musikunterricht, mit verschiedenen Räumen, schalldicht abgedichtet und mit verschiedenen Musikinstrumenten etc.

Die Bibliothek, mit jeder Menge Büchern, aber auch DVDs und Besprechungszimmern und Media-Räumen und Mini-Kino:

Natürlich war die ganze Tour auch wieder von Spielen begleitet, um die restlichen Blütenblätter für unsere Lotusblume zu erhaschen. Und danach fuhren wir weiter in ein Hotel, wo ich das unglaublichste vegetarische Buffet meines ganzen Lebens bekam. Kaum zu glauben, so viel "Luxus" bei einem völlig kostenlosen Ausflug.

typisch für chinesische Festessen: runde Tische

Am Ende wurde noch gezählt, welche Gruppe die meisten goldenen Blätter hatte, und natürlich gabs noch Abschieds- und Dankesreden von 師傅 und noch ein paar weiteren scheinbar wichtigen Herren.


Der Bus um geschätzte 5 Tonnen schwerer als vor dem Essen, fuhren wir zum Abschied noch mal zurück zum Kloster für ein paar letzte Gruppenfotos:

Und dann machten wir uns auf die über 3-stündige Heimfahrt:

Hier noch ein paar Fotos von der Landschaft:


Auf jeden Fall hat mich dieser Ausflug echt extrem beeindruckt, wir haben viel gesehen und auch einiges gelernt und natürlich wieder jede Menge nette Leute kennengelernt. Und ich hätte nie gedacht, dass eine Buddhisten-Organisation so reich sein kann.

Doch scheinbar haben wir noch nicht mal alles von dem Tempel-Komplex gesehen. Falls ihr Interesse habt, auf dieser Homepage ist ein Video über das Kloster mit noch mehr tollen Bildern, auch von den Plätzen wo wir nicht fotografieren durften, und Informationen über die Organisation und das Kloster --> Link - Glaubt mir, es lohnt sich ;)