Montag, 23. August 2010

Ferien im Geistermonat 鬼月

GEISTERMONAT!!! Der 7. Monat des Chinesischen Mondkalenders wird auch Geistermonat genannt, und tatsächlich möchte man meinen, seit dessen Beginn (dieses Jahr 10. August) häufen sich unglückbringende oder zumindest eigenartige Ereignisse.

Kurz zur Geschichte:
Der chinesische Glaube besagt, dass in eben diesem 7. Monat die Geister der Verstorbenen aus der Unterwelt heraufkommen, um die Lebenden zu besuchen. Und aus diesem Grund sieht man während dieser Zeit auch verhäuft gläubige Taiwanesen, die auf den Straßen auf Gabentischen Obst, Lebensmittel und andere Geschenke aufstellen, Räucherstäbchen anzünden und Geistergeld verbrennen.


7. Woche (9. bis 15. August):

Die Woche fing gleich frühmorgens mit einem Tagesausflug nach 墾丁 Kending an. Zuerst fuhren X und ich mit dem Zug nach Kaohsiung, von wo uns dann 砲哥 Paoge (ein Freund von X) und 小魚 Xiaoyu (kleiner Fisch) mit dem Auto abholten und gemeinsam Richtung Süden aufbrachen. Der ursprüngliche Zweck dieses Ausflugs war, dass wir Paoge helfen sollten mit Xiaoyu zusammenzukommen. Der Plan ist allerdings definitiv gescheitert (meiner Meinung nach), aber der Ausflug war trotzdem super.

In Kending angekommen gings zunächst auf einen Meeresfrüchte-Markt zum Mittagessen. Hab mich sehr darüber gefreut, wie ihr euch vorstellen könnt, aber im Endeffekt wars nicht so schlimm.
roher Fisch:
Shrimps:
und das wär sonst noch so im Angebot gewesen:

Dann fuhren wir weiter zum 鵝鑾鼻 Eluanbi (Gänseschnabel-Kap), der südlichsten Spitze von Taiwan. Am Eingang zum Park, frische Kokosnuss:
Doch das Meer ist dort nicht unbedingt zum Baden geeignet:

Danach fuhren wir auf einen Abstecher zu einem richtig badefreundlichen Sandstrand. Das Wetter war zwar nicht so passend, ziemlich bewölkt, aber dafür waren die Wellen super!
Trocken kommt keiner davon!


Nachdem unsere Kleidung so halbwegs trocken und der Großteil des Sands aus den Taschen war, fuhren wir ins Zentrum, um am Nachtmarkt ein bisschen herumzuschlendern und abendzuessen.
Eiskaffee mit Kahlua:

Und zum Abschluss noch das Lustigste, Foto-Schießen in einer japanischen Fotobox mit anschließender "Bildbearbeitung":


Danach fuhren wir heim. Das Problem war nur, dass wir leider die letzte Verbindung von Kaohsiung nach Tainan verpassten, doch zum Glück konnten wir die Nacht bei Paoges Cousin verbringen.


Am Mittwoch begleitete ich X zur Fahrschule. War auch mal ganz interessant zu sehen, wie das in Taiwan aussieht. Meiner Meinung nach geht es bei der Fahrausbildung nicht um viel, was die etwas dürftigen Fahrkünste der Taiwanesen erklären könnte.


Am Donnerstag schlug ich, meiner stark ausgeprägten sozialen Ader folgend - Antoine (Marines Freund) vor, mit ihm nach 七股 Qigu zu fahren, einem Ort in Tainan County mit einem Salzberg.


Die Pyramide im Hintergrund ist das dazugehörige Salz-Museum:
Das besuchten wir dann später auch noch:

Und im Souvenirshop gabs sogar Salz-Zahnpasta zu kaufen:

Danach machten wir uns auf den Heimweg. Aber als wir auf dem Weg einen großen Tempel sahen und Antoine interessiert war, schauten wir noch beim 龍山宮 Longshan-Tempel vorbei.
Taiwanesische Fischer vor dem Tempel:

Am Freitag Abend kamen zwei macanesische Freunde von X auf Besuch, mit denen wir später noch auf den Night Market fuhren.
Kidd (re. hi.) und Joey (li. vo.)

Am Samstag Morgen machten wir uns alle mit dem Scooter auf den Weg nach Kaohsiung zum 佛光山 Foguangshan, einem großen Buddha-Tempel.
Vorher gabs noch Frühstück - Reisschleimsuppe mit Fisch - man sieht meine Begeisterung:

Dann gings über eine ziemlich kurvige Bergstraße weiter ... zu kurvig und bergig wie's scheint, denn auf halben Weg hatte X' Scooter eine Panne und bewegte sich nicht mehr. Da wir annahmen, dass einfach der Sprit aus war, fuhren Joey und ich weiter zur nächsten Tankstelle, die sich als weiter entfernt herausstellte als wir dachten. Nach ca 40-50 min kamen wir mit einer Flasche Benzin zurück zu den Beiden.
Doch anscheinend war das nicht das Problem, daher fuhren X und Joey dann noch mal den selben Weg zurück zur nächsten Werkstatt. Und dort holten sie dann endlich mit einem Pickup das kaputte Motorrad und uns ab.

Nach circa einer halben Stunde war das Motorrad auch schon wieder fahrtüchtig.

Und weiter ging die Fahrt zum Foguangshan. Während einem Fotoshoot-Zwischenstopp kam uns ein enthusiastischer "Wanderer" entgegen, der uns ganz stolz erzählte, dass er gerade schon 3 km zu Fuß gegangen ist. Zur Krönung führte er uns noch ein paar (dürftige) aber witzige Kungfu-Künste vor.

Nach über 4 Stunden Fahrt inkl. Komplikationen (vermutlich aufgrund des Geistermonats) kamen wir schließlich am Foguangshan an, das Problem war nur das Timing: um 17:15 kamen wir an, aber die Öffnungszeiten sind nur bis 17:00.


Daher blieb uns nur ein kleiner Schlenderer durch den Souvenirshop:
Danach fuhren wir Richtung Kaohsiung City. Sonnenuntergang - Grund genug für einen Foto-Stopp:
Angepeiltes Ziel in Kaohsiung: 旗津 Qijin - ein Bezirk bzw Landstreifen im Hafen von Kaohsiung, den wir über einen Tunnel unterm Meer erreichten. Dort gab es einen Park, viele Meeresfrüchte und einen Night Market.

Dort aßen wir dann zu Abend in diesem Restaurant. Praktisch: Nach dem Essen wird die Plastikfolie über dem Tisch mit dem ganzen Müll und Besteck darauf einfach abgezogen und der Tisch ist im Nu wieder "sauber".
zu essen gabs viel, wie zB Muscheln, Fisch, Krabbe, Froschfleisch, Gemüse, etc etc

Manche waren nach dem Essen noch immer nicht satt und kauften sich einen der gegrillten Tintenfische, die man schon von Weitem riechen kann:

Auf halbem Weg durch den Markt gabs auch einen Tempel mit vielen Lampions:

Und schließlich machten wir uns wieder auf den Heimweg nach Tainan. Diesmal über die zweite Option: per Fähre - einfach mit dem Scooter drauffahren, 5 min Überfahrt und dann wieder runter. Und das Ganze für 25 NT (60 Ct) pro Person:

Am nächsten Morgen um 6:00 Früh (!!!) wurde ich von X aufgeweckt, als er aufstand und sagte, er könne noch immer nicht einschlafen und ob er würde jetzt nach Anping fahren um Fotos zu schießen, und ob ich mitkommen möchte. Und da manchmal spontane Sachen am lustigsten sind, war ich dabei. Hatte immerhin auch noch nie Anping so früh am Morgen erlebt. Für Sonnenaufgangsfotos wars zwar leider schon zu spät, aber schön wars trotzdem, ziemlich hell und sonnig.
Fischer auf der Sicao-Brücke
Blick von Anping Richtung MeerBlick von Anping Richtung Tainan City
Frauen beim Verarbeiten von Austern ...
... und Bambussprossen

Und zum Abschluss unseres morgendlichen Ausflugs gönnten wir uns noch ein Frühstück: warme Sojamilch und 蛋餅 Danbing - Teigfladen mit Ei und Füllung nach Belieben (meist Mais, Schinken, Speck):
Den Rest des Sonntags verbrachten wir in der Werkstatt, wo Marine ihren Scooter ausgeborgt hatte. Denn dieser hatte wieder mal Probleme mit den Bremsen, und darum hatte Marine am Vortag einen Unfall. Doch die Verkäuferin hatte nicht wirklich Einsehen, dass die Schuld bei ihnen lag, daher verbrachten wir den ganzen Tag eigentlich nur damit, mit denen zu verhandeln und zu warten, wieder rumstreiten, wieder warten usw usw. ... im Endeffekt jedoch ohne Erfolg.

Ein weiteres Highlight dieses Sonntags: Mein erster Unfall in Taiwan!! Zum Glück war es aber nicht meine Schuld und zum Glück war bei meiner Kontrahentin mehr kaputt als bei mir. Normalerweise bin ich ja nicht so schadenfroh, aber die war echt dämlich. Der Unfall war definitiv ihre Schuld, da sie mich einfach so auf der Straße geschnitten hat. Und danach wollte sie direkt 1000 NT von mir, weil sie meinte, es ist unfair, dass bei ihr mehr kaputt ist als bei mir. Geistermonat ...

Zwischendurch gönnte ich mir ein Eis mit Früchten im South Park, einem Hot Spot in Tainan, wo immer viele junge Leute rumlaufen, mit vielen Tea-Shops und Verkaufsständen und einer Bühne, wo öfters Auftritte von Sängern und Gruppen und so stattfinden.


8. Woche (16. bis 22. August):

... war eine ruhigere Woche, d.h. Freunde treffen, schwimmen gehn, lesen, Film schaun, Essen gehn etc etc .
Aber apropos Essen - unsere Küche wird mittlerweile immer öfter genutzt, zB für Spaghetti Bolognese:

Und wenn wir schon bei Essen sind - X hat sich vor kurzem eine ganze Ladung Hühnerfüße gekauft *wääh*!